Stellungnahme zum Jahresabschluss der Stadtwerke 2024
Wir haben den Bogen der reinen Stellungnahme zum Jahresabschluss in der Sitzung am 27. April etwas weiter gespannt und ein paar Erläuterungen und grundsätzliche Gedanken eingestreut. Das passiert vor dem Hintergrund, dass die Nahwärme im Jahr des Bürgermeisterwechsels 2026 neu bewertet werden wird.
Der neue Bürgermeister Tobias Pokrop arbeitet sich gerade in die Thematik ein und gibt sich zunächst mal zugeknöpft und tritt auf die Bremse. Wir hoffen natürlich, dass es nach der Denkpause mit neuem Elan weiter geht. Klar ist natürlich, dass eine Stadtverwaltung kein StartUp ist, aich also eher durch Absicherung und Vorsicht als durch unternehmerische Risikobereitschaft auszeichnet. Nebenbei verdichten sich im Ort viele Gerüchte zu einer Erzählung, die einen Misserfolg der Nahwärme geradezu herbeiwünscht, aber zumindest herbeiredet.
Daher dieses kleine Plädoyer für die Rutesheimer Stadtwerke:
Die Stadtwerke Rutesheim gleichen einem Unternehmen in der Aufbauphase. Daher kann es nicht verwundern, dass zuerst große Investitionen und viel Arbeit getan werden müssen, bevor auch nur der erste Euro verdient wird. Der Fehlbetrag liegt 2024 bei 220T € und damit noch unter dem planmäßigen Defizit von 257T€. Dahinter verbergen sich nicht getätigte Investitionen. Das scheint wie ein Vorzeichen auf die heutige Situation. Wir wissen mittlerweile: der Anschluss des Boschquartiers verzögert sich; bei der Trassenführung in die Ortsmitte wird ein Umweg nötig. Die vorgesehenen Investitionen werden zwar zeitlich gestreckt, aber mehr oder weniger zeitnah stattfinden. Die Inbetriebnahme der Nahwärmeversorgung kann aber erst durch Anschluss von privaten Nutzern in der Ortsmitte, also erst nach Bau der Trasse in die Ortsmitte erfolgen. Das Defizit wird sich in den kommenden Jahren also noch stärker als gedacht anhäufen. Viele fragen sich mittlerweile, warum sich die Stadt diese Arbeit aufbürdet und in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten finanziell in Vorleistung geht. Die Stadtwerke sind ein Eigenbetrieb der Stadt Rutesheim. Das bedeutet maximale Verlässlichkeit für unsere Kunden. Es bedeutet aber auch das größte Risiko und das größte Arbeitsaufkommen für die Stadt. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite bedeutet es aber auch die höchsten Ertragserwartungen. Denn die Erträge aus der Nahwärme bleiben vollständig bei der Stadt, das heißt, letzten Endes bei den Bürgern. Ein Plus auf der Finanzierungsseite ist dabei unser Anteil am Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität von knapp 7Mio Euro. Die Voraussetzungen auf der Managementseite sind optimal: die einstimmige Beschlusslage im Gemeinderat, die Unterstützung durch eines der renommiertesten Ingenieurbüros im Land (des IBS) und nicht zu vergessen: dem Leiter der Stadtwerke Markus Sattler, der das alles mit viel Herzblut zum Laufen bringt.
Alles in allem ist der eingeschlagene Weg ein absolut sinnvoller Weg. Die Bezieher der Nahwärme bekommen ein Rundumpaket, das sich nicht weiter um wandelnde gesetzliche Vorgaben kümmern muss. Die Wärme stammt aus erneuerbaren Quellen, das hilft dem Land, und somit uns allen, die Klimaziele zu erreichen. Die Wertschöpfung bleibt in Rutesheim. Und last not least kann die Stadt langfristig eine neue Einnahmequelle erschließen. Das braucht sicher einiges an Durchhaltevermögen – aber es lohnt sich, und die Zeit wird uns recht geben.
Noch ein Schlusssatz: Herr Pokrop war bei der Sitzung erfreulicherweise als aktiver Zuhörer anwesend. Wir haben ihn darum gebeten, dass in der kommenden Sitzung am 15.Juni über den neuesten Stand der Planungen berichtet wird. Er sieht, wie wir, die Dringlichkeit und hat einem Bericht zugesagt, insofern bis dahin etwas Neues zu berichten ist. Es läuft aktuell die Machbarkeitsstudie für die alternative Trassenführung der Nahwärmeleitungen in die Innenstadt.
Es bleibt spannend.